Factfulness war eines der Highlights meines Lesejahres. Der schwedische Arzt, der längere Zeit in Afrika tätig war, beschreibt darin die verzerrte Sicht auf die Welt die wir oft haben. Anhand von Statistiken wird dargelegt, dass innerhalb der vergangenen 100 Jahre eine grossartige Entwicklung stattgefunden hat. Durchgängig hat sich global fast überall die Lebenssituation verbessert. Wesentlich mehr Menschen als man im „Westen“ vermutet sind geimpft, haben Zugang zu Bildung und grundlegender medizinischer Versorgung.
Eindrücklich fand ich auch die Schilderungen der Lebensumstände in seinem Heimatland Schweden zu seiner Kindheit in den 1950er und 1960er Jahren. Er wäre als Kind fast in der offenen Kanalisation vor dem Elternhaus ertrunken. Können wir uns kaum vorstellen heute obwohl das noch gar nicht so lange her ist.
Und so hat sich nicht nur bei uns die Welt verändert sondern auf anderswo auf der Welt. Das wird in diesem Buch anschaulich beschrieben.
Für mich waren das die drei wesentlichen Punkte:
- Je grösser der Bildungsgrad war, desto grösser war nicht die Unwissenheit sondern die Fehleinschätzung der Umstände.
- Medien transportieren über Nachrichten Informationen nach dem Aufmerksamkeitsprinzip. Daher werden wir mit negativen Informationen geflutet und formen daher unser Bild der Welt: „Good news are bad news, bad news war good news“. Man stelle sich vor, in den Nachrichten kommen einen Tag lang nur die positiven Ereignisse die passiert sind. Dieser Punkt war mir schon vorher bewusst. Das Buch hier war nur nochmal ein Beispiel wie sich das auf uns auswirkt. Vielleicht wäre es manchmal besser, eine Analyse zu lesen als zum x-ten in die Nachrichten zu schauen.
- Aus dieser offensichtlichen falschen Einschätzung der Situation entgeht uns eine grundlegende globale, politische Veränderung. Wir, einfach gesagt der „Westen“ – was ich auf USA, Canada und Europa beziehe – werden im nächsten Jahrhundert nicht mehr die dominante Rolle spielen die wir die letzten 1’000 Jahre gespielt hat. Für mich ist dann die grosse Frage, wie es uns ergehen wird wenn der Rollentausch sich abzeichnen wird, und die Länder welche wir so lange belächelt haben ihren Einfluss geltend machen werden.
Für alle, denen die Zeit zum Lesen des Buchs fehlt, es gibt auch eine TED Präsentation von Hans Rosling und seinem Sohn Ola die wesentliche Punkte des Buchs beschreibt.
Weiterführende Informationen
Gapminder, die Stiftung von Hans Rosling, welche von seinen Kindern weitergeführt wird.
Mit diesem Link gelangt man zu einem kleinen Faktentest der gut veranschaulicht wie man doch oft die Realität falsch einschätzt.
Die Bücher sind unter anderem bei Orell Füssli oder Amazon erhältlich.
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