Nach dem turbulenten Start in das neue Jahr ging es weiter, dieses Mal nach Hokkaido. Hokkaido war schon lange auf meiner Bucket-List. Da es in Ibaraki einen Regionalflughafen gibt von dem man direkt nach Sapporo fliegen kann, fiel der Entscheid von dort nach Hokkaido zu fliegen.
Warum Hokkaido?
Zum einen war dort die Chance recht gross, mal wieder einen echten Winter zu sehen gross. Auf der anderen Seite interessierte mich Hokkaido schon immer, wegen der Grösse und der Weite der Landschaft.
In vielen Gesprächen höre ich die Aussage, in Japan gebe es so viele Menschen. Nun, das stimmt, in der Rush-Hour in Tokyo oder anderen Grossstädten. Daneben trifft jedoch genau das Gegenteil zu. Japan besteht überwiegend aus Gebieten mit wenig Einwohnern und kämpft gegen eine schrumpfende Bevölkerung.
Hokkaido ist davon auch betroffen, allerdings bietet es sehr viel Natur in allen Variationen und wie sich vor Ort gezeigt hat, auch noch andere Besonderheiten.
Anreise nach Hokkaido
Früh am Morgen ging es los zum Ibaraki Airport. Die kleinen Flughäfen bevorzuge ich, da dort die Transfer- und Abfertigungszeiten kurz sind. Wie sehr man um das Wohl der Passagiere bedacht war zeigte sich daran, dass umgefähr der halbe Weg vom Terminal zum Flugzeug überdacht war und für den Rest des Weges standen Schirme bereit.



Der Flug dauert ca. 90min bis nach Sapporo, der Hauptstadt von Hokkaido und wie man auf den Fotos sieht, wurden die Schirme nicht benötigt. Das schöne Wetter ermöglichte auch bis zum Nordende von Honshu eine schöne Aussicht.




Leider war das schöne Wetter vorbei bei der Ankunft in Sapporo auf dem Flughafen New-Chitose. Dieser liegt etwa 35km ausserhalb von Sapporo. Man gelangt von dort mit Bussen oder Zügen einfach ins Stadtzentrum von Sapporo.
Sapporo
Sapporo ist die Hauptstadt von Hokkaido, der flächenmässig grössten Präfektur Japans. Dort wohnen im Grossraum ca. 2 Mio Menschen. Und nun kommt ein wesentlicher Unterschied zum restlichen Japan. Hokkaido wurde erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts besiedelt. Vor 100 Jahren war Sapporo ein Dorf mit 3’000 Einwohnern. Damit fehlt in der Region auch die wechselhafte Geschichte Japans mit Samurai, grossen Tempeln etc.
Grund für die damalige Besiedlung waren strategische Gedanken, man wollte hier keinen Freiraum lassen der einfach von benachbarten Ländern besetzt werden kann, vor allem Russland. Da man in der Landwirtschaft in diesen nördlichen Breitengraden keine Erfahrung hatte, wurden Experten aus den USA geholt, die dort Landwirtschaft lehrten und beim Aufbau der Verwaltung und Infrastruktur halfen. Das zeigt sich jetzt immer noch beim Blick auf den Stadtplan von Sapporo. Dort finden sich Strassennamen wie 3. Strasse West, also so wie man es von amerikanischen Städten her kennt.

Zunächst einmal wurde ein schönes Café gesucht und in Gehweite des Hotels gefunden.

Unser nächster Stopp war der Sapporo Tower, der eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Tokyo Tower hat. Der Weg dorthin führte durch das Ausgehviertel Susukino. Dort zeigte sich wieder die typische, grelle Beleuchtung mit riesigen Werbetafeln, wie man es oft in japanischen Grossstädten sieht.
Aufgrund der langen Winter und kalten Temperaturen in Hokkaido sind viele Gebäude in Sapporo unterirdisch miteinander verbunden so dass man in der Wärme von Gebäu zu Gebäude gehen kann.


An der Stelle noch ein kleiner Einwurf zum Thema Verständigung. Ehrlich gesagt, es ist nicht immer möglich, jemanden zu finden der Englisch spricht. Tourismus in den aktuellen Massen ist noch relativ neu in Japan und aufgrund der geringen Menge an Ausländern und der Lage als Insel gab es wenig Motivation und auch Anwendungsmöglichkeiten für Fremdsprachen. Das stellt mittlerweile keine grosse Hürde mehr dar. In Restaurants gibt es oft Bilder der Speisen oder Modelle davon, da reicht ein Fingerzeig. Mit einem Smartphone kann man einfach die allermeisten Schilder und Speisekarten gut übersetzen, wenn man mit einer lokalen Simkarte oder Pocket-Wifi online ist. Gleiches gilt auch für die Navigation mit ÖV und sonst im Alltag, mit Google- oder Apple-Maps kommt man sehr gut zum Ziel. Und Verständigungsprobleme im Taxi kann man mit UBER oder Go lösen. Es hilft auch, wenn man ein paar Worte Japanisch kann. Meine Erfahrung ist, dass man durchaus Englisch spricht. Nur der japanische Hang zur Perfektion verhindert, dass man sich traut Englisch zu sprechen. Wenige japanische Wort können hier die Hürde senken und die Chancen auf eine Antwort in Englisch erhöhen.
Nun geht es jedoch auf den Sapporo Tower um das nächtliche Panorama über die Stadt zu geniessen.



Nach dem das nächtliche Panorama ausgiebig genossen wurde, war es Zeit, sich ein Restaurant für das Nachtessen zu suchen. Und da gibt es in Sapporo natürlich zwei Sachen, die man auf jeden Fall essen sollte: Sapporo Ramen und Dschingis Khan Tischgrill. Wir entschieden uns für Ramen und fanden auch ein sehr gutes Lokal, das Bild spricht für sich.

Wie in Japan üblich gibt es dazu gratis Wasser oder Tee als Getränk. An der Stelle möchte ich noch anmerken, Essen ist in Japan nicht teuer. Für wenige Franken bekommt man bereits ein gutes Essen.
Am nächsten Tag erkundeten wir die Innenstadt, insbesondere das, was von der Gründung der Stadt noch übrig war. Zum Mittagessen gab es wieder Ramen, man braucht ja einen Überblick über die verschiedenen Sorten Ramen, die offeriert werden in den Restaurant.



Dieses Mal hatten wir einen Logenplatz an der Thecke und konnten uns die Zubereitung anschauen. An der Stelle noch einige Ergänzungen zum Essen in Restaurants in Japan. In vielen Restaurants für einfachere Gerichte wir z.B. Ramen, Udon oder Soba, kauft man sich ein Ticket an einem Automaten über das Gericht und allfällige Extras. Teilweise muss man in beliebten Restaurants auch länger warten. Wenn man an der Reihe ist, gibt man das Ticket dem Koch oder Kellner und sie bereiten das Essen zu und bringen es. Wenn das Restaurant voll ist, sollte man nach dem Essen auch zügig aufstehen und gehen um Platz, für den nächsten Gast zu machen. Auch wenn das Essen am Tisch bestellt wird, bezahlt wird oft nicht am Tisch sondern an einer Kasse wie im Supermarkt am Ausgang des Restaurants. Das Konzept des Trinkgelds gibt es nicht in Japan in Restaurants.
Im folgenden sehen wir Fotos from Sapporo Clock Tower, der Innenstadt und dem in Renovation befindlichen alten Präfekturgebäude.




Für den Abend ging es zur Sapporo Beer Garden um dort den Dschingis Khan Tischgrill zu geniessen. Gewisse Ähnlichkeiten zu ähnlichen Orten in Deutschland gibt es schon. Nur eben gibt es hier, auch ein japanisches „Upgrade“. Es gibt nämlich eine Art Bierhalle mit einem All-you-can-eat Angebot und zusätzlich noch ein feineres Restaurant wo man alles à la Carte bestellen kann. Wenn man im letzteren isst, muss man auch nicht die Kleider nach dem Essen in die Waschmaschine befördern um den Geruch loszuwerden. Wir entschieden uns für das letztere (Garden Grill) und waren sehr zufrieden.
Anreisen kann man bequem vom Stadtzentrum mit dem Bus. Hier zunächst ein Foto von der traditionellen Bierhalle.


Gegenüber gelangt man dann zum Restaurant. Daneben gibt es noch Souveniershops, ein Biermuseum (mit Probieren). Und wer hier nichts findet, direkt daneben ist ein grosses Einkaufszentrum.


Das Essen dort war sehr fein und empfehlenswert, vor allem auch die perfekte Organisation und Technik mit dem Grill im Tisch und die gute Qualität von Fleisch, Gemüse und Beilagen. Der Service wurde durch Roboter unterstützt. Der Transport der Speisen von der Küche zum Servicepersonal erfolgte mit Robotern.
Auf der Rückfahrt mit dem Taxi sprach der Fahrer über den Schneemangel in der Gegend, und sein Wunsch nach Schnee wurde erhört, wie die nächsten Tage gezeigt haben. Da wird es von Sapporo zum Toya-See gehen in ein Onsen-Hotel, und es wird sehr viel Schnee geben.
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