Nach den aufregenden Tagen in Sapporo hieß es Abschied nehmen und weiter zum nächsten Ziel. Es war ein Onsen-Hotel am Toya-See, ganz im Süden von Hokkaido. Der Besuch eines Onsen gehört zu einem Japanurlaub einfach dazu. Besonders außerhalb des Sommers ist es ein Genuss, den Abend in einem heißen Bad ausklingen zu lassen. Mein persönlicher Favorit sind die Bäder im Freien, wo es noch einmal ein ganz besonderes Erlebnis ist. Die Bäder sind immer nach Damen und Herren getrennt. Damit man sich nicht im falschen Bad verirrt, gibt es eine Lösung: Bäder und Toiletten sind in ganz Japan immer einfach beschriftet: Rote Schrift bedeutet Damen, blaue Schrift bedeutet Herren.
Doch bevor es in die Onsen ging, mussten wir erst einmal ins Hotel. Der Einfachheit halber nahmen wir dafür den Shuttlebus des Hotels. Wie schon im vorigen Artikel angedeutet, wurde der Wunsch des Taxifahrers nach mehr Schnee erhört und es begann kräftig zu schneien. Das bedeutete zwischen einem halben und einem Meter Neuschnee an einem Tag.

Das Bild entstand bei einem Zwischenstopp auf einem Pass. Danach ging es weiter zum Toya-See. Glücklicherweise besserte sich das Wetter schnell und wir konnten noch einen kalten, aber schönen Abend am See geniessen.



Aus den verschiedenen Hotels am See haben wir uns für das Hotel Nonokaze Resort entschieden. Es liegt direkt am See und hat sehr schöne Zimmer mit direktem Blick auf den See. Wie bei japanischen Resorthotels üblich, gab es verschiedene Pakete zur Auswahl und wir wählten das mit dem französischen Nachtessen.

Hier zeigte sich ein weiterer Aspekt Japans, nämlich die große Wertschätzung für klassische Musik aus Europa. In der Lobby gab es eine grosse Stereoanlage mit klassischer Musik.

Es gibt auch Cafés, in die man geht, nur um klassische Musik zu hören. Auch wenn die Parks schließen, ertönt klassische Musik aus den Lautsprechern.
Was Japan so einzigartig macht, ist die bewusste Mischung aus Tradition und westlichen Einflüssen. Sicherlich gibt es in vielen Ländern eine Mischung aus westlicher und lokaler Kultur. In Japan wurde dies jedoch mit der Meiji-Restauration geplant. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war Japan fast vollständig von der Außenwelt abgeschottet. Nachdem dies nicht mehr möglich war, kam es zu einer schnellen und bewussten Öffnung des Landes und jahrhundertealte Traditionen wurden innerhalb weniger Jahrzehnte verändert: Rechtsbücher kamen aus Deutschland (BGB), deutsche, französische und britische Ausbilder in der Armee, landwirtschaftliche Berater aus den USA. Noch heute sind deutsche Begriffe in der Medizin präsent.
Nach diesem kleinen geschichtlichen Exkurs wenden wir uns wieder dem französischen Abendessen zu. In vielen Resorthotels braucht man sich um die Abendgarderobe keine Gedanken zu machen, denn man kann mit Yukata (einfache Version des Kimonos) und Pantoffeln ins Restaurant gehen. Ich erinnere mich an ein anderes Hotel. Das war noch etwas teurer. Dort trug man keine Yukata. Die meisten Gäste trugen aber trotzdem die Hausschuhe im Restaurant.




Man fragt sich vielleicht, warum man in Japan französisch isst? Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass es in Japan viele Köche gibt, die sehr gut europäisches Essen zubereiten können. Zum Beispiel gibt es in Paris mehrere Gourmetrestaurants mit japanischen Köchen, die französische oder italienische Gerichte von hoher Qualität anbieten.





Nach einem weiteren Schneesturm in der Nacht klarte es am nächsten Tag auf und man konnte die großen Schneemengen bestaunen.
Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es mit dem Bus weiter nach Toya. Dies war der nächste Bahnhof mit einem direkten Zug nach Hakodate, unserem nächsten Ziel. Auch dort waren wieder die großen Schneemengen zu sehen. Die große Anzahl von Schneepflügen, Schneefräsen in allen Größen ließen darauf schließen, dass dies keine Besonderheit war.




Auf den Bildern sieht man den Fahrplan auf dem Bahnhof, eine der Schneefräsen, die die Gleise vom Schnee befreit hat und einen Fahrkartenhalter am Sitz. So kann der Schaffner die Fahrkarten kontrollieren, wenn man nicht am Platz ist.
Hakodate ist eine der wenigen großen Städte auf Hokkaido und hat ca. 255.000 Einwohner. Sie liegt sehr schön an zwei Buchten und ist bekannt für Meeresfrüchte, den morgendlichen Fischmarkt und das schöne Panorama vom Berg Hakodate und Ausgangspunkt für Ausflüge zu den Sehenswürdigkeiten der Umgebung wie z.B. dem Onuma Quasi-Nationalpark. Hakodate war aufgrund seiner strategisch günstigen Lage im Süden der Insel auch die erste größere Stadt auf Hokkaido.
Hakodate hatte von Anfang an einen hohen Anteil an ausländischer Bevölkerung. Dies spiegelt sich besonders im Stadtteil Motomachi wider, in dem noch verschiedene Gebäude westlicher Architektur zu sehen sind, wie z.B. eine Kirche, das alte Präfekturgebäude und das ehemalige englische Konsulat.







Es ist eines der höchsten Gebäude in der Gegend und hat einen Onsen im Freien im 18. Stock, von dem aus man einen schönen Blick auf den Hafen hat. Da es am Abend schneite und stürmte, war es doch recht kalt an den Ohren und das Onsen-Handtuch musste zur Mütze umfunktioniert werden.
An dieser Stelle noch ein kleiner Exkurs zu den Hotels in Japan. Die günstigeren Hotels in Japan heißen dort Business Hotels. Sie sind perfekt auf Geschäftsreisende eingestellt. Davon profitieren auch die Touristen. So gibt es fast immer Pyjamas, immer Zahnbürsten, Rasiersets, Kaffee und Tee für die Zubereitung auf dem Zimmer, Schuhlöffel, Haarbürsten, Ladekabel mit allen erdenklichen Adaptern für Smartphones. Die Sachen liegen vor den Liften bereit und man kann so viel mitnehmen, wie man braucht. Die Zimmer und Bäder sind in diesen Hotels eher klein. Fairerweise muss man sagen, dass man das Bad nur selten zum Duschen benutzt, denn es gibt ja den Onsen und dort wäscht man sich, bevor man ins Wasser geht.
Am späten Nachmittag brachen wir schließlich Richtung Mount Hakodate auf, um den Sonnenuntergang zu erleben. Zuerst sind wir durch das Viertel mit den renovierten alten Lagerhäusern gefahren. Danach sind wir durch Motomachi – mit einem Zwischenstopp in einem Kisaten (traditionelles japanisches Café) – zur Seilbahnstation gelaufen, um rechtzeitig vor dem großen Ansturm oben zu sein.



Nach einer kurzen Fahrt mit der Seilbahn haben wir den Gipfel des Berges erreicht und konnten die Aussicht über die Stadt geniessen.






Ich muss zugeben, um den Sonnenuntergang zu fotografieren, brauchte ich mehrere Schichten Kleidung: Thermounterwäsche, Hemd, Pullover, Fleecejacke und darüber eine Daunenjacke. Schwierig war dann das Fotografieren mit dem Handy, denn das ging nur ohne Handschuhe. Schliesslich kam der Sonnenuntergang. ….


…und habe mich erst mal an den Heizkörpern im Warteraum aufgewärmt. Dann ging es wieder runter nach Hakodate und zum Glück hatten wir gleich ein Restaurant. Wir haben ein sehr traditionelles Curry-Restaurant gefunden und das war genau das Richtige bei den arktischen Temperaturen.

Nach einer Stärkung ging es zurück zum Hotel, wo wir noch zwei weitere Highlights erleben durften. Dabei fiel mir auf, dass die Straßen im Motomachi-Viertel eis- und schneefrei waren. Das lag daran, dass sie beheizt waren. Im folgenden Foto sieht man eine der Verteilerstationen am Straßenrand.

Insgesamt waren die wenigen Tage in Hokkaido wirklich beeindruckend. Einerseits wegen der wunderschönen Landschaft und der beeindruckenden Natur. Andererseits wegen der interessanten Geschichte der Insel, die zeigt, dass Japan von außen betrachtet zwar homogen erscheint, aber im Detail doch große Unterschiede zwischen den einzelnen Gegenden bestehen. Ein weiteres Highlight ist natürlich das exzellente Essen, das sich aus der Kombination von Kochkunst und hochwertigen Rohstoffen ergibt.
Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen von Hokkaido und die Rückreise nach Tokio zu starten. Für die Rückreise nach Tokio wählten wir den Zug, der die Strecke von Hakodate (Shin-Hakodate) bis nach Tokio in ca. 3:30 Stunden zurücklegt. Von der Gesamtreisezeit betrachtet, ist das ungefähr wie der Flug, nur viel bequemer. Züge sind in Japan sehr pünktlich, sicher, sauber, ruhig und bequem. Es gibt keine lauten Gespräche und auch keine Handytelefonate – die sind nur zwischen den Wagen gestattet. Also ein ideales Reisemittel zwischen den grossen Städten.





Für die Zugfahrt gab es natürlich ein passendes Ekiben (Bentobox für den Zug) und das legendäre „Shinkansen Eis„.
Das nächste Ziel auf der Reise war Tokyo. Darüber im nächsten Bericht mehr.
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