Ursprünglich dachte ich bei Yokohama an eine typische Industriestadt in direkter Nachbarschaft von Tokyo. Das änderte sich schlagartig, als ich ein Video von Japan Guide sah. Danach war für mich klar: Ich muss Yokohama besuchen.
Warum nach Yokohama?
Während viele japanische Grossstädte durch Industriegebiete und Hafenanlagen vom Meer getrennt sind, bietet Yokohama eine schön gestaltete Uferpromenade – mit Parks, Hotels, Cafés und Museen im Stadtteil Minato Mirai. Gleichzeitig ist Yokohama eine attraktive und günstigere Alternative zur Übernachtung in Tokyo.

Mit der Bahn ist man in rund 30 Minuten in Tokyo. Wer Kamakura besuchen möchte, spart ebenfalls Zeit. Und: Yokohama beheimatet das grösste Chinatown Japans.






Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Sehenswürdigkeiten: Gärten wie den Sankeien Garden, Museen, Parks und mehr. Insgesamt blieben wir fünf Nächte in Yokohama. Teilweise unternahmen wir Ausflüge nach Tokyo, doch wir sind uns sicher – wir kommen wieder
Cup Noodles Museum
Sowas gibt’s wohl nur in Japan – ein Museum für Instantnudeln! In einem modernen, kubusförmigen Gebäude in Minato Mirai erstreckt sich über mehrere Stockwerke eine Ausstellung zur Geschichte und Herstellung von Instant-Ramen. Man kann dort sogar seine eigene Nudelsuppe kreieren und herstellen.





Erfunden wurden die Instantnudeln von Momofuku Ando – einem Geschäftsmann mit chinesischen Wurzeln, der im Alter von 48 Jahren, nach dem Scheitern seiner bisherigen Karriere, in einem Schuppen mit zahllosen Experimenten das Verfahren zur schnellen Zubereitung entwickelte. Daraus entstand innerhalb weniger Jahre der Weltkonzern Nissin Foods, dessen Produkte heute weltweit erhältlich sind.
Natürlich kann man im Museum auch diverse Nudelgerichte aus aller Welt probieren – sogar Glacé mit Nudeltopping für Mutige.



Frisch gestärkt machten wir uns daran, unsere eigene Nudelsuppe zusammenzustellen. Aus verschiedenen Suppenarten und Beilagen wählt man eine Kombination, die man anschliessend mit nach Hause nehmen darf. Da wir grosse Ramen-Fans sind, konnten wir es uns nicht verkneifen, auch an der Herstellung echter Ramen-Nudeln teilzunehmen – unter fachkundiger Anleitung, vom Kneten bis zur Verpackung.
Parks und Promenade
Wie eingangs erwähnt, ist die Uferpromenade Yokohamas besonders schön gestaltet. Sie besteht aus zwei Parks: dem Zou-no-Hana Park und dem Yamashita Park. Dazwischen liegt ein modernes Kreuzfahrtterminal der Osanbashi Pier. Die Parks laden zum Flanieren ein und bieten schöne Cafés mit Aussicht.








Im „The Wharf House“ genossen wir einen Kaffee mit Blick auf die Bucht von Yokohama. Wer möchte, kann auch ein Fuss-Onsen nutzen und dabei die Aussicht geniessen. Dieser Teil der Stadt wirkt sehr westlich geprägt und bietet viel Raum zur Erholung.
Museumsschiff Hikawa Maru
Ebenfalls an der Promenade liegt die „Hikawa Maru“, ein Museumsschiff. Es wurde 1930 in Dienst gestellt und war im Liniendienst zwischen Japan und Seattle im Einsatz. Im Zweiten Weltkrieg wurde es als Hospitalschiff genutzt und am Ende des Krieges für die Rückführung von japanischen Truppen. Zwischen 1953 und 1960 wurde das Schiff wieder für den Passagiertransport genutzt und liegt seitdem als Museumsschiff in Yokohama.





Das Schiff kann heute besichtigt werden und vermittelt einen spannenden Eindruck der Technik und des damaligen Bordlebens.
Chinatown
Unweit der Promenade beginnt im Stadtteil Motomachi das grösste Chinatown Japans. Die kulturelle Verbindung zwischen Japan und China ist historisch tief – etwa stammt das Gericht Ramen ursprünglich von chinesischen Einwanderern, ebenso wie der Buddhismus und die Kanji-Schriftzeichen.


Heute geht es beim Besuch von Chinatown aber vor allem ums Essen: Nikuman, Dim Sum, Pekingente und viele weitere Spezialitäten. Mich erinnerte die Atmosphäre ein wenig an Singapur – oder vielleicht an eine Mischung aus Zürich und Shanghai. Wir assen im Restaurant Manchiro, einem traditionsreichen Haus mit authentischer Küche.
Übernachten mit Aussicht
Neben unserem generellen Interesse an Yokohama war auch die Hotelauswahl ein Pluspunkt – deutlich grösser und günstiger als in Tokyo, mit oft sehr schöner Aussicht auf Hafen oder Skyline.


Wir entschieden uns für die Oakwood Suites in Minato Mirai – ein Studio im 54. Stock mit atemberaubender Aussicht. Die U-Bahn-Station Bashamichi liegt direkt unter dem Hotel, was die Anreise erleichtert.

Vom Balkon aus sahen wir bei klarer Sicht bis zum Tokyo Skytree. Und von der Lobby aus – bei gutem Wetter, das wir zum Glück hatten – sogar den Mount Fuji.
Was bleibt?
Yokohama hat mich positiv überrascht. Die Stadt verbindet Grossstadtflair mit maritimer Atmosphäre, bietet kulturelle Highlights, entspannte Parks und eine beeindruckende Architektur. Das nächste Mal, werde ich definitiv den Sankeien Garden besuchen. Yokohama ist nicht nur eine günstigere Alternative zu Tokyo, sondern auch ein eigenständiges Reiseziel mit Charakter. Wer ein paar Tage Zeit hat, sollte Yokohama definitiv auf seine Japanreise setzen – ob als Ausgangspunkt, Zwischenstopp oder Rückzugsort nach einem Tag in der Metropole. Wir kommen auf jeden Fall wieder.
Orientierung
Anreise idealerweise mit dem ÖV, direkt vom Flughafen Narita mit dem Narita Express oder von Tokyo am schnellsten mit der Tokaido Line (nicht verwechseln mit Shinkansen) oder einem der zahlreichen anderen Züge.
Weitere Informationen: Yokohama City Visitors Bureau
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