Megane-bashi (Brillenbrücke)

Die Hafenstadt und Hauptstadt der gleichnamigen Präfektur im Südwesten von Kyushu ist auf jeden Fall eine Reise wert. Sie war währende der Edo-Zeit mit der Insel Dejima das Tor zum Westen für Japan. Mit seiner schönen Lage, zahlreichen Sehenswürdigkeiten und der Mischung aus japanischer, chinesischer und europäischer Kultur ist es sicher eine Besuch wert bei einer Reise nach Kyushu. Nagasaki ist auch bekannt, für sein Chinatown. Da ich vorher schon in China in den Ferien war, habe ich mir das für die nächste Reise aufgehoben. Mit Bus, Shinkansen oder Flugzeug kann man einfach nach Nagasaki reisen.

Geschichte

Ein Bericht über Nagasaki ohne einen Exkurs in die Geschichte der Stadt wäre nicht vollständig. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Konflikte ist sie eine Mahnung für die Menschheit.

Nagasaki war eine der erste japanischen Städte die für den Handel mit anderen Ländern geöffnet wurden und nimmt damit eine Sonderstellung ein. Nagasaki war mehrmals Schauplatz weniger schöner Episoden in der Geschichte. Es war einer der wenigen Orte in denen im 17. Jahrhundert das Christentum Fuss fassen konnte in Japan. Das war jedoch nicht von kurzer Dauer. Bereits nach wenigen Jahren wurde das schrittweise zurückgedrängt, schlussendlich mit Gewalt und fortan existierten die christlichen Gemeinschaften nur noch im Geheimen. Daran erinnert noch heute ein Monument in der Nähe des Bahnhofs. Trotzdem gibt es heute in Nagasaki mehrere Kirchen, was aussergewöhnlich in Japan ist.

Die Insel Dejima war bis zur Meiji Restoration das Tor zum Westen. Dort war ein holländischer Handelsposten über den Handel mit Japan möglich war und es war auch einer der wenigen Orte in Japan wo Informationen aus dem Ausland in das Land kamen. So war es ein Ziel von Besuchen der Aristokratie um sich über den Rest der Welt zu informieren.

Das traurige Ereignis, das Nagasaki weltbekannt gemacht hat war schliesslich der Abwurf der Atombombe auf die Stadt. Dieser bekommt dadurch eine besondere Tragik, da es aufgrund von schlechtem Wetter fast nicht dazu gekommen war. Nur wenige Augenblicke Sonnenschein wurden zum Todesurteil der Stadt. Die Bomber wollten gerade ohne ihre Mission erfüllt zu haben, zurückfliegen wegen des schlechten Wetters.

Heute erinnern zahlreiche Denkmäler, Parks und Museen an dieses Ereignis. Sehr eindrücklich ist das Atombombenmuseum das sehr explizit an die Schrecken von damals erinnert. Ebenso ist das Wort „Frieden“ sehr präsent in der Stadt, als Namensgeber für Plätze, Gebäude und Bildungseinrichtungen.

Trotz der Zerstörung entwickelte sich Nagasaki nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zu einem industriellen Standort mit Fokus auf Schiff- und Maschinenbau, insbesondere von Mitsubishi. Das ist auch gut zu sehen, wenn man mit dem Schiff durch die Bucht von Nagasaki fährt.

Stadtbild

Das Stadtpanorama von Nagasaki, vom Mt. Inasa betrachtet, gehört zu den Top-3 Panoramen in Japan, neben Hakodate und Tokyo. Wer mit der Bahn oder Bus anreist, ist schon direkt im Zentrum, und wird von einen modernen und blitzsauberen Bahnhof empfangen. Wie auch in anderen Städten Japans ist der Bahnhof gleichzeitig Einkaufszentrum und Food-Court.

Von dort aus geht es einfach weiter mit Tram oder Bus. Viele Sehenswürdigkeiten sind schon mit dem Tram einfach erreichbar. Im Folgenden ist Megane-Bashi (Brillenbrücke), eine typische Strassenszene, das Tram und ein feines Nachtessen zu sehen.

Gunkanshima

Gunkanshima, oder Battleschip Island, war mir aus verschiedenen Filmen bewusst und so war es für mich ein Muss, dorthin zu reisen. Allerdings kann man nicht einfach da hinreisen. Das geht nur über begleitete Bootstouren mit Guide, welche den Landgang begleiten. Da die Boote nur bei geringem Wellengang dort anlegen können, muss man etwas Glück mit dem Wetter haben. Das hatte ich glücklicherweise.

Gunkanshima, oder auch Hashima genannt, ist eine Insel auf welcher durch Mitsubishi bis 1974 Kohle gefördert wurde. Von der Insel aus gingen Schächte bis zu 600m tief unter die Erde. In 1959 wohnten und arbeiteten dort über 5’000 Menschen. Für sie war für alles gesorgt, vom Kindergarten, über die Schule zu Spital und Kasino. Es war nicht notwendig die Insel zu verlassen. Interessanterweise wurde das Kasino ebenfalls von Mitsubishi betrieben – so kam ein Teil der Löhne wieder zurück zum Arbeitgeber, ein recht perfides System. Die Arbeit war dort hart und gefährlich, jedoch war die Anlage für die damalige Zeit recht modern. So wurde dort das erste „moderne“ Hochhaus Japans gebaut aus Stahlbeton, um den Taifunen zu widerstehen. Für höhere Angestellte und Ärzte, gab es grössere Appartments mit Aussicht auf dem einzigen Hügel der Insel, zu sehen auf dem letzten Bild.

Leider mussten dort auch Zwangsarbeiter während dem Zweiten Weltkrieg Kohle fördern. Mit dem Ausbau der Erdölförderung wurde die Anlage jedoch immer unrentabler und wurde dann 1974 ganz geschlossen. Über die Jahre wurde es zu einem der berühmtesten „Lost Places“.

Um auf Nummer sicher zu gehen, habe schon lange vorher eine Tour gebucht. Dabei habe ich mir für eine rein japanische Tour entschieden. Ich dachte mir, das macht sicher mehr Spass, als nur mit Ausländern die Insel zu entdecken. Ebenso habe ich einen der teureren Plätze im Schiff gebucht, um optimale Sicht zu haben, und wer weiss, ob ich da nochmals hinkomme. Die Tour begann in einem Museum in der Nähe des Clover Garden. Dort war die Geschichte der Insel umfangreich beschrieben, mit nachgebauter Wohnung und die Guides erklärten die Geschichte der Insel. Ebenso war dort ein ehemaliger Bewohner der Insel, der über das Leben dort berichtet hat. Ebenso hatte dort der Vater, einer der Lehrerinnen an der Sprachschule in Fukuoka, als Arzt auf der Insel gearbeitet.

Danach ging es zu Fuss zum Hafen und auf das Schiff. Die Fahrt ging ca. 45 Minuten lang durch die Bucht von Nagasaki, vorbei an den Schiffswerften in Richtung Gunkanshima. Vor dem Anlegen wurde die Insel noch umrundet und danach konnte die Insel betreten werden. Flankiert von mehreren Guides ging unsere Gruppe über einen definierten Weg mit Plattformen über einen Teil der Insel.

Dejima

Dejima wurde als künstliche Insel aufgeschüttet um dort einen Handelsposten für den Handel mit anderen Ländern aufzubauen. Zu Beginn wurde dieser von Portugal genutzt, wurde dann aber schon nach kurzer Zeit an die Niederlande übergeben, welche diesen bis zur Öffnung Japans nutzten. Im Rahmen der laufenden Restauration wird Dejima wieder zu einer richtigen Insel werden.

Dejima war bis zur Meiji Restoration einer der wenigen Punkte, über die Japan Kontakt mit dem Rest der Welt hatte. So wurde hier nicht nur Handel getrieben sondern es war auch ein Treffpunkt für die japanische Elite um Kontakte mit dem Ausland zu pflegen und auch um an Informationen über den Rest der Welt zu gelangen. Am Ausbau der Häuser sieht man, dass der Lebensstandard der „Expats“ aus Holland recht hoch war während der Zeit in Dejima – allerdings mussten sie die ganze Zeit dort verbringen.

Mount Inasa

Wie bereits oben erwähnt, ist eines der Highlights von Nagasaki, ein Besuch auf dem Mt. Inasa – dem Hausberg. Insbesondere am Abend und nach Sonnenuntergang gibt es ein schönes Panorama auf die Bucht.

Bei der Seilbahnfahrt schlagen die Herzen von Automobilfans höher. Die Gondeln wurden von Ken Okuyama gestaltet, dem gleichen Designer mehrerer Ferraris und Shinkansen Zügen.

Das war nur ein Teil, der Sehenswürdigkeiten von Nagasaki. Es gibt noch zahlreiche weitere spannende und schöne Orte, die einen Besuch wert sind. Zu Nagasaki gehören auch Inseln mit schönen Badestränden. Ebenso gehören die vor Fukuoka liegenden Inseln wie Iku und die Tsushima Inselgruppe zu Nagasaki. Daher kann ich nur einen Besuch empfehlen.

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